PRESSE / PRESS

BALTIC HEALING
RETURNING TO YOUR MOTHER’S WOMB

A Documentary by Baiba Baika and Andrea Lötscher 

93 Min. / DE / 2024
UT Englisch, Lettisch, Deutsch
DCP 16:9 FSK ab 12 Jahre

Regie, Kamera, Schnitt Andrea Lötscher
Organisation des Drehs, Übersetzung Baiba Baika
Protagonist*innen Kristīne Sīle, Dr. phil. Ieva Ančevska, Ilga Gavare, Ligita Rudzāte,
Alistair Hegarty, Krists Zeltiņs
Dreh zusätzliches Filmmaterial Donats Baidaks
Musik Vija Vīgante
Script Consulting Roland Heep
Untertitel Baiba Baika, Andrea Lötscher, Roland Heep

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93 min. / Germany / 2024
Latvian, English and German Subtitles
DCP 16:9

Directed, Filmed and Edited by Andrea Lötscher
Line Producer and Translator Baiba Baika
Protagonists Kristīne Sīle, Dr. phil. Ieva Ančevska, Ilga Gavare, Ligita Rudzāte,
Alistair Hegarty, Krists Zeltiņs
Additional Filming Donats Baidaks
Music Vija Vīgante
Script Consulting Roland Heep
Subtitles Baiba Baika, Andrea Lötscher, Roland Heep

 

 

VITA

Andrea Lötscher ist Ethnologin und Filmemacherin. www.mondrosen.com
Sie wurde 1974 in Basel geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in der Schweiz und Kanada.
Seit 1989 lebt sie in Deutschland.
1994 – 2001 Studium der Ethnologie an der WWU Münster, Abschluss: Magister
2001 Schnitt eines ersten Dokumentarfilmprojekts
2001-2004 Arbeit als Regieassistentin und Cutterin in einer Kölner Filmproduktion
2007 Gründung von Mondrosen.Dokumentarfilme. Seither arbeitet sie als freischaffende Filmemacherin im Bereich Dokumentarfilm, Imagefilm, Dokumentation. Es entstanden über 120 Kurzfilme und zwei lange Dokumentarfilme. Siehe Filmographie
Andrea Lötscher ist Mitglied des Filmbüro NRW sowie der AG DOC. Portrait download

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Andrea Lötscher is a social anthropologist and filmmaker. www.mondrosen.com    

born in Basel in 1974, spent her childhood in Switzerland and Canada and has lived in Germany since 1989.

1994 – 2001 studied social anthropology at the WWU Münster, degree: Master.

2001 edited a first documentary film project.

2001-2004 worked as assistant director and editor in a Cologne film production.

2007 founded Mondrosen.Dokumentarfilme. Since then worked as a freelance filmmaker in the field of documentaries, image films and documentation and created over 120 short films and two full length documentaries.  Filmographie
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KONTAKT / CONTACT

Mondrosen.Dokumentarfilme
Andrea Lötscher
Am Hülsenberg 170
D-44227 Dortmund
+ 49 173 519 64 41
andrea@mondrosen.com

INTERVIEW / PODCAST ANDREA LÖTSCHER

Podcast 94  „Viele Wege führen nach Om“      ausgewählte Zitate / selected Quotes       Podcast

Roland Heep: Herzlich willkommen Andrea.

Andrea Lötscher: Danke für die Einladung.

Roland Heep: Wie ist es zu dem Film gekommen? Und erst mal, wer bist du?

Andrea Lötscher: Ich bin Andrea Lötscher. Ich bin Ethnologin und Filmemacherin und mache, seit unser Sohn drei ist, seit 16 Jahren Dokumentarfilme. Ich habe zum Beispiel diesen Film über das Geboren werden und Sterben gemacht, wo ich eine Hebamme und eine Sterbeamme befragt habe. Und mein letzter Film ist jetzt Baltic Healing.

Roland Heep: Genau. Du hast, ich glaube schon über 120 Filme gemacht. Aber heute sind wir ja hier, um über Baltic Healing zu sprechen. Was ist denn eigentlich das für ein Film und worum geht es darin?

Andrea Lötscher: Wie der Titel schon sagt, geht es um Heilkunde in den baltischen Ländern, also Baltic Healing. Und der Film porträtiert vier Heilerinnen, die in der Pirts heilen. Die Pirts ist die traditionelle Sauna und sie heilen mit Kräutern, mit Massage. Diese Pirts-Rituale, das dauert durchaus so drei, vier Stunden mit mehreren Durchgängen. Und zwei der Heilerinnen heilen auch mit Amanita, also mit Fliegenpilz.

Roland Heep: Wie es überhaupt dazu gekommen, einen Film über baltische Heilkunst zu machen?

Andrea Lötscher: Eigentlich habe ich mich schon als Teenager immer gefragt: Wo ist dieses alte europäische Heilwissen geblieben? Ich habe mich damals mit diesen ganzen Hexengeschichten beschäftigt und dachte: wie schade, das ist alles verloren gegangen, das alte Wissen. Und dann habe ich im Herbst 2021 über dich die Baiba kennengelernt und sie macht Sterbebegleitung. Und ich hatte ja gerade diese Filme gemacht über geboren werden und sterben. 

Roland Heep: Dadurch ist euer Kontakt zustande gekommen. 

Andrea Lötscher: Und wir telefonierten und sie erzählte mir, dass ihre Großmutter – oder vielleicht war es auch ihre Urgroßmutter – ich bin mir nicht mehr ganz sicher, dass die Heilerin war in Lettland und dass die so kleine Bücher hatte, in der sie all ihr Heilwissen aufgeschrieben hat. Und ich sofort: Die Bücher will ich sehen. Leider hat sie die verbrannt, denn unter der Zeit der Sowjetherrschaft war in Lettland alles, was mit Heilkunde zu tun hat, strengstens verboten. Das heißt, wenn man erwischt wurde, wurde man deportiert und das war nicht lustig.

Roland Heep: Sehr schade, weil da wahrscheinlich auch sehr viel Wissen verloren gegangen ist.

Andrea Lötscher: Genau. Aber dann hat sie mir erzählt, dass im Untergrund sehr viel Wissen erhalten geblieben ist. Unter anderem in der Pirts, in der Sauna.  Weil es ist auch Teil der russischen Kultur in die Sauna zu gehen. Das heißt, das war eine Gemeinsamkeit, mit der alle was anfangen konnten. Das war okay. Und dann im Untergrund haben die Heilerinnen dann einfach ihre alten Heilmethoden weitergemacht. Also wie Ieva Ančevska zum Beispiel sagt: man sagte dann so „geh zu so einer Tante auf dem Land, die kann dir dann weiterhelfen.“ Also man hat das dann nicht offen ausgesprochen, aber alle wussten, was damit gemeint war.

Roland Heep: Dann hast du gesagt, das interessiert dich, dieses Thema und dann hattet ihr ja doch eine etwas längere Genese, was dieses Filmprojekt betrifft. 

Andrea Lötscher: Genau. Wir wollten eigentlich sofort drehen im Sommer 2022. Und Baiba ist auch hingefahren und dachte, sie hätte alles schon organisiert. Sie hatte schon eine Unterkunft organisiert, sie hatte mit ersten Heilerinnen gesprochen und dann kam sie nach Lettland und stellte fest:  diese Unterkunft gab es nicht mehr. Die ist dieser ganzen, in der Corona Zeit ist die Pleite gegangen oder irgendwie sowas. Und dann wurde wegen und wegen diesen ganzen Corona Maßnahmen, die leider auch immer zum Teil noch gewirkt haben, wurde auch das Festival dieses Sommersonnwendfestival, das wir drehen wollte, abgesagt. Und dann war klar, wir können gar nicht drehen. Sie ist aber trotzdem noch da geblieben und hat wertvolle Kontakte geknüpft, unter anderem auch zu Donats Baidaks, der für uns dann den Trailer gedreht hat. (…) Der hat uns nachher geholfen, als wir das Crowdfunding gemacht haben, um dann ein Jahr später den Film drehen zu können.

Roland Heep: Dann seid ihr 2023 zur Sommersonnenwende hingefahren und habt dann da gedreht. Wie lange habt ihr gedreht und und wie lief das ab?

Andrea Lötscher: Wir sind mit der Fähre dahin gefahren und mit dem Auto. Es war eine super schöne Reise und dann haben wir sofort losgelegt. Wir hatten nämlich genau zehn Tage und in der Zeit haben wir alles gedreht. Ja, wir sind eigentlich mehr oder weniger angekommen und haben dann am nächsten Tag direkt das erste Interview gedreht. Und dann fing das auch schon an mit der Sommersonnenwende.

Gerry Streberg: Mich würde mal interessieren, hast du irgendwie, so eine Art Skript gehabt oder irgend so einen Ablauf? 

Andrea Lötscher: Ich hatte ganz ehrlich gesagt, bis wir auf der Fähre saßen, kein Plan, wie das jetzt alles abläuft. Den Plan hat dann Baiba auf der Fähre ausgepackt und meinte okay, an dem Tag drehen wir das und an dem Tag drehen wir das. Und das erste Interview mit Ieva Ančevska habe ich auch wirklich total spontan gedreht, weil nämlich die Fragen aus Versehen im Hotel vergessen wurden. Und ich bin total froh, dass es trotzdem funktioniert hat und ich konnte es auf Deutsch mit ihr führen. Was natürlich total hilfreich war, weil die anderen Interviews, die konnte ich nicht führen, die hat Baiba geführt. Und ich habe ein bisschen Lettisch vorher gelernt, dass ich so ungefähr eine Idee hatte, worüber die vielleicht reden. Dann haben sie mir immer kurz eine Zusammenfassung gegeben. Das war gar nicht so einfach, das dann nachher zu schneiden.

Gerry Streberg: Ja, das glaube ich. Lettisch ist ja auch keine einfache Sprache.

Roland Heep: Was ist eigentlich das Besondere an der lettischen Heilkunst?

Andrea Lötscher: Also die Sauna, die Pirts wird so gesehen als „The Mothers Womb“ (Mutterschoss/ Gebärmutter). Deswegen auch der Untertitel des Films: Returning to Your Mother’s Womb. Es wird gesagt: das ist wie so, das ist so ein dunkler, feuchter, warmer Ort. Da kehrt man quasi zurück in den Schoss der Mutter, Schoss der Mutter Erde. Es ist so vielleicht eher auch so wie in einer Schwitzhütte.

Roland Heep: Das kennt man aus einem anderen kulturellen Zusammenhang.

Andrea Lötscher: Ja, genau. Nur dass sie dann halt irgendwann Häuser dafür gebaut haben. Ja und du kommst da rein, es ist dunkel, da ist Dampf. Der Dampf ist ganz wichtig. In Lettland wird gesagt, dass der Dampf in der Sauna das gleiche Wort ist wie Geist, also Spirit. Die Leute sind in die Sauna gegangen, um auch mit den Ahnen, mit den Spirits in Kontakt zu kommen und da halt auch Antworten für ihre Fragen zu finden. Also das hat mich total beeindruckt. Da werden unglaublich wunderbare Kräuter und Blumen vorher gesucht, die dann da ausgelegt werden, wo man sich drauflegt. Und dann, mit diesen Büscheln von Birkenzweigen wird man abgeklopft und es gibt drei Durchgänge. Nach jedem Durchgang geht man in den See oder Teich oder einen Fluss, was auch immer es dann da gibt und ruht und dann gibt es den nächsten Durchgang. Also das kann halt wie gesagt 2, 3, 4 Stunden dauern.

Roland Heep: Die Mutter Erde ist ein ganz wichtiges Konzept, oder nicht?

Andrea Lötscher: Es ist gar kein Konzept. Das ist total real für die Letten. Und sie haben mir auch erzählt, dass früher die Menschen jeden Morgen erst mal die Erde geküsst haben. Und jeden Abend haben sie die Erde geküsst, um sich zu bedanken. Und das ist ja ein sehr, sehr persönlicher Umgang mit der Welt, wenn man so lebt.

Gerry Streberg: Jetzt hast du in deiner Dokumentation ja auch einen Protagonisten, durch den wir praktisch die ganzen Rituale miterleben dürfen. Wie ist es denn dazu gekommen? 

Andrea Lötscher: Das ist Alistair. Er ist Soldat gewesen. Im Irakkrieg, also schwer traumatisiert, auch aus seiner Familiengeschichte heraus. Und wir haben uns gedacht, dass das eigentlich perfekt ist, wenn er unser Protagonist ist, weil er so ja diese verletzte, traumatisierte Welt irgendwie symbolisieren kann, die sich so nach Heilung sehnt. Und was natürlich auch praktisch war, ist, dass Alistair und Baiba im gleichen Haus wohnen. Die kennen sich und wir hatten das Gefühl, wir können ihm diese Behandlung auch zumuten. Und er war auch bereit, als erfahrener Psychonaut die Amanita-Rituale auszuprobieren, weil wir wussten alle nicht so wirklich, was heißt das, mit Fliegenpilz eine Behandlung zu machen?

Roland Heep: Wir haben über die JahreskreisFeste gesprochen (…) diese Verbindung zur Natur, dieses Zyklische, das ist ja auch, glaube ich, so ein bisschen die Grundlage der lettischen Spiritualität, oder? (…) Aber Ieva Ančevska sagt ja im Film eigentlich auch, dass es eine matriarchale Tradition ist.

Andrea Lötscher: Genau. Sie sagt, dass vieles aus der Tradition, auf die Zeit des Matriarchats zurückgeht. Vielleicht kennen einige Marija Gimbutas, die in Litauen Archäologin war. Sie kam auch aus dieser Kultur und hat dann in der Archäologie festgestellt, dass es – sie nannte es das alte Europa – also in der Zeit der Megalithkultur gab es in ganz Europa eine matriarchale Kultur. Sie konnte das nachweisen, sie ist dafür aber auch extrem angegriffen worden. Und interessanterweise wurde es dann, als es später Genanalysen gab bestätigt. 

Andrea Lötscher: Aber was es noch gibt, sind diese Dainas und das sind Gesänge. Das sind so Vierzeiler, Weisheitstexte. Texte waren es ursprünglich nicht, aber später wurden sie dann verschriftlicht. (…) Und das ist natürlich ein unglaublicher Schatz, der in unserem Teil von Europa nicht existiert. (…) Und was ich spannend finde an diesen Dainas und diesen Gesängen ist – könnt ihr euch an die singende Revolution 1989 erinnern? Das war ja das Jahr, wo auch die Mauer hier gefallen ist. Das war eine große Öffnung. Und in den baltischen Staaten gab es diese sogenannte singende Revolution. Und es fing damit an, dass in Estland die ersten Leute wieder angefangen haben, öffentlich ihre Lieder zu singen. Das war ja vorher auch verboten, aber das wurde nun nicht mehr geahndet und es entstand eine Bewegung daraus. Und ich glaube, es gab damals ungefähr 7 Millionen Menschen in den baltischen Staaten, und es war noch die Zeit vor den Social Media. Aber sie haben es geschafft, an einem Tag im August eine Menschenkette von Estland über Lettland nach Litauen zu bilden, die 600 Kilometer lang war. Und die haben sich eine Viertelstunde die Hände gereicht und geschwiegen. Und ich glaube, sie haben auch gesungen. Und das war quasi der Startpunkt, dann in die Unabhängigkeit zu kommen. Und ich finde, das ist irgendwie total beeindruckend.

Roland Heep: Das ist beeindruckend.

Andrea Lötscher:   Es waren über 2 Millionen Menschen, was ja unfassbar ist, wenn man denkt, dass da insgesamt 7 Millionen Menschen im Baltikum gelebt haben. Und ich finde, das zeigt so dieses mütterliche Prinzip, dieses friedfertige Prinzip, dass man sich die Hände reicht und singt.

Gerry Streberg: Und auch in Deutschland war es auch friedlich. Ich meine, die Menschen sind einfach über die Mauer gegangen oder. Haben auch glaube ich diese Montagsdemos auch gerne gesungen. 

Andrea Lötscher:  Also, es war vielleicht auch die Zeit, aber ich finde es trotzdem toll, dass es so möglich war.

Roland Heep: Amanita ist auch in der lettischen Tradition verwendet worden.

Andrea Lötscher: Amanita ist Fliegenpilz, Fliegenpilz Ja, da gibt es auch Berichte in den Dainas. Aber wie man das so genau gemacht hat, das weiß man eigentlich nicht mehr so ganz genau, hatte ich den Eindruck. Es gibt auf jeden Fall Dainas, die davon sprechen, dass die Menschen eine Suppe aus Fliegenpilz löffeln mit silbernen Löffeln.

Andrea Lötscher: Ich glaube es geht nicht darum, dass wir jetzt alle nach Latvia reisen, sondern auch es kann vielleicht auch einfach darum gehen, nächstes Mal in der Sauna bewusst sich zu machen, dass es möglich ist, sich mit sich selber zu verbinden. Ja, und man kann ja auch hier in die Natur gehen. Man kann hier gucken, was gibt es hier für Bäume, was gibt es hier für Kräuter, was gibt es hier für Pflanzen? Auch hier gibt es den Fliegenpilz. Nur wie gesagt, das ist sehr mit Vorsicht zu genießen. Das müssen wir vielleicht noch mal ganz deutlich sagen.

Und wir können uns auch einfach so mit der Natur verbinden. Ich glaube, das ist wichtig.

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Roland Heep: Welcome, Andrea.

Andrea Lötscher: Thank you for the invitation.

Roland Heep: How did the movie come about? And first of all, who are you?

Andrea Lötscher: I am Andrea Lötscher. I’m an ethnologist and filmmaker and have been making documentaries for 16 years, ever since our son was three. For example, I made this film about being born and dying, where I interviewed a midwife and a death doula. Yes, and my latest film is now Baltic Healing.

Roland Heep: Exactly. I think you’ve already made over 120 films, mostly short ones. But today we’re here to talk about Baltic Healing. What kind of movie is it and what is it about?

Andrea Lötscher: As the title says, it’s about healing in the Baltic countries, in other words Baltic Healing. And the film portrays four healers who heal in the Pirts. Pirts is the traditional sauna and they heal with herbs and massage. These Pirts rituals take three or four hours with several sessions. And yes, two of the healers also heal with amanita muscaria, i.e. fly agaric.

Roland Heep: How did you come to make a film about Baltic healing in the first place?

Andrea Lötscher: Actually, even as a teenager I always asked myself: Where has this old European healing knowledge gone? Back then, I was interested in all these witchcraft stories and thought: what a shame, all this old knowledge has been lost. And then in the fall of 2021 I met Baiba through you and she does end-of-life care. And I had just made these films about being born and dying. 

Roland Heep: That’s how your contact came about. 

Andrea Lötscher: And we spoke on the phone and she told me that her grandmother – or maybe it was her great-grandmother – I’m not quite sure anymore, that she was a healer in Latvia and that she had a collection of books in which she had written down all her healing knowledge. And I immediately thought: I want to see those books. Unfortunately she burned them, because under Soviet rule everything to do with medicine was strictly forbidden in Latvia. That meant that if you were caught, you were deported.

Roland Heep: That’s a shame, because a lot of knowledge was probably lost.

Andrea Lötscher: Exactly. But then she told me that a lot of knowledge had been preserved underground. In the pirts, in the sauna, for example.  Because going to the sauna is also part of Russian culture. In other words, it was a commonality that everyone could relate to. That was okay. And then underground, the healers simply continued with their old healing methods. As Ieva Ančevska says, for example: they would say „go to an aunt in the country, she can help you.“ So they didn’t say it openly, but everyone knew what they meant.

Roland Heep: Yes, then you said that you were interested in this topic and then you had a somewhat longer genesis as far as this film project was concerned. 

Andrea Lötscher: Exactly. We actually wanted to shoot immediately in the summer of 2022. And Baiba also went to Latvia and thought she had already organized everything. She had already organized accommodation, she had spoken to a few healers and then she came to Latvia and realized that this accommodation no longer existed. It had gone bankrupt or something like that during the corona period. And then because of all these corona measures, which unfortunately still had an effect to some extent, the festival of that summers midsummer festival that we wanted to shoot at was also canceled. Then it was clear that we couldn’t film at all. But she stayed on anyway and made valuable contacts, including Donats Baidaks, who then shot the trailer for us. (…) He helped us later on when we did the crowdfunding so that we could shoot the film a year later.

Roland Heep: So you went to the summer solstice in 2023 and shot there. How long did you shoot for and how did it go?

Andrea Lötscher: We went there by ferry and by car. It was a super nice trip and then we got started straight away. We had exactly ten days and we shot everything in that time. We more or less arrived and then shot the first interview the very next day. And then it started with the summer solstice.

Gerry Streberg: I would be interested to know if you had any kind of script or any kind of process? 

Andrea Lötscher: To be honest, until we were on the ferry, I didn’t have a plan of how it would all work out. On the ferry, Baiba shared her plan and said okay, that’s the day we’ll shoot this and that’s the day we’ll shoot that. And I shot the first interview with Ieva Ančevska really spontaneously, because the questions were accidentally forgotten at the hotel. And I’m really glad that it worked out anyway and that I was able to conduct it with her in German. Which was of course really helpful, because I couldn’t do the other interviews, Baiba did them. I did learn a bit of Latvian beforehand so that I had at least an idea of what they might be talking about. And they always gave me a brief summary. It wasn’t that easy to edit it afterwards.

Gerry Streberg: I think so. Latvian is not an easy language either.

Roland Heep: What is actually so special about Latvian medicine?

Andrea Lötscher: Well, the sauna, the Pirts is seen as „The Mothers Womb“. Hence the subtitle of the film: Returning to Your Mother’s Womb. They say: it’s like this, it’s such a dark, damp, warm place. It’s like returning to your mother’s womb, the womb of mother earth. It’s perhaps more like being in a sweat lodge.

Roland Heep: We know that from a different cultural context.

Andrea Lötscher: Yes, exactly. Except that at some point they built houses for it. And you get in there, it’s dark, there’s steam. The steam is very important. In Latvia, they say that the steam in the sauna is the same word as “spirit”. People went to the sauna to get in touch with their ancestors, their spirits, and to find answers to their questions. I was totally impressed by that. They look for incredibly wonderful herbs and flowers beforehand, which are then laid out where you lie down. And then you are tapped with birch branches and there are three rounds. After each round, you go into the lake or pond or river, whatever it is, and rest, and then there’s the next round. So, as I said, it can take 2, 3, 4 hours.

Roland Heep: Mother Earth is a very important concept, isn’t it?

Andrea Lötscher: It’s not a concept at all. It’s totally real for the Latvians. And they also told me that people used to kiss the earth every morning. And every evening they kissed the earth to say thank you. And that’s a very, very personal way of dealing with the world when you live like that.

Gerry Streberg: You also have a protagonist in your documentary, through whom we can practically experience all the rituals. How did that come about? 

Andrea Lötscher: That’s Alistair. He was a soldier. In the first Iraq war, so he was severely traumatized, also because of his family history. And we thought it would be perfect if he was our protagonist, because he could somehow symbolize this wounded, traumatized world that longs for healing. And what was also practical, of course, is that Alistair and Baiba live in the same house. They know each other and we had the feeling that he could handle undergoing this treatment. He was also willing to try out the Amanita rituals as an experienced psychonaut, because we all didn’t really know what it meant to do a treatment with fly agaric.

Roland Heep: We talked about the annual cycle festivals (…) this connection to nature, this cyclical nature, I think that’s also a bit of the basis of Latvian spirituality, isn’t it? (…) Ieva Ančevska actually says in the film that it’s a matriarchal tradition.

Andrea Lötscher: Exactly. She says that a lot of the tradition goes back to the time of matriarchy. Perhaps some people know Marija Gimbutas, who was an archaeologist in Lithuania. She also came from this culture and then established in archaeology that there was a matriarchal culture throughout Europe – she called it ancient Europe – in the time of the megalithic culture. She was able to prove this, but she was also extremely attacked for it. And interestingly enough, her theory was later confirmed when genetic analyses were carried out. 

Andrea Lötscher: But what still exists are these Dainas, which are chants. They are quatrains, wisdom texts. They weren’t originally texts, but later they were written down. (…) And that is of course an incredible treasure that doesn’t exist in our part of Europe. (…) And what I find exciting about these Dainas and these songs is – can you remember the singing revolution of 1989? That was the year the Berlin Wall came down here. That was a great opening. And there was this so-called singing revolution in the Baltic states. And it started when the first people in Estonia started singing their songs in public again. That had been forbidden before, but it was no longer punished and a movement emerged. And I think there were about 7 million people in the Baltic states at the time, and it was still the time before social media. But on one day in August, they managed to form a human chain from Estonia via Latvia to Lithuania that was 600 kilometers long. And they shook hands for fifteen minutes and remained silent. And I think they also sang. And that was kind of the starting point for independence. And I think that is somehow totally impressive.

Roland Heep: That is impressive.

Andrea Lötscher: There were over 2 million people, which is incredible when you think that a total of 7 million people lived in the Baltic States. And I think that shows this maternal principle, this peaceful principle of joining hands and singing.

Gerry Streberg: And it was also peaceful in Germany. I mean, people just walked over the wall or. I think they also enjoyed singing at these Monday demonstrations. 

Andrea Lötscher: Well, maybe it was the time, but I still think it was great that it was possible.

Roland Heep: Amanita was also used in the Latvian tradition.

Andrea Lötscher: Amanita is fly agaric, toadstool Yes, there are also reports in the Dainas. But I had the impression that we don’t really know exactly how it was done. In any case, there are Dainas that talk about people spooning up soup made from fly agaric with silver spoons.

Andrea Lötscher: I don’t think it’s about us all traveling to Latvia now, but perhaps it can also simply be about being aware next time in the sauna that it’s possible to connect with yourself. Yes, and you can also go out into nature here. You can see what trees there are here, what herbs there are here, what plants there are here. There’s the fly agaric here too. But as I said, this should be treated with caution. Perhaps we need to make that very clear again.

Yes, and you can also connect with nature just like that. I think that’s important.

Podcast 94  „Viele Wege führen nach Om“    Podcast

LOGLINE

Während der Mittsommer-Feiern portraitiert BALTIC HEALING vier Heilerinnen in Lettland, die in der traditionellen Pirts (Smoke Sauna) mit Kräutern, Massagen, Heilgesängen und Fliegenpilz arbeiten.

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BALTIC HEALING portraits four women healers during the Midsummer Festivities in Latvia working in the traditional pirts (smoke sauna) with herbs, massages, chants and fly agaric.

SYNOPSIS

In der lettischen Pirts (traditionelle Sauna/Dampfbad) hat eine alte europäische Heiltradition bis in die heutige Zeit überlebt. Sie basiert auf Kräuterheilkunde und ist verbunden mit der Natur und den Festen des Jahreskreises.

BALTIC HEALING wurde im Juni 2023 während der Feiern zur Sommersonnenwende gedreht. Der Dokumentarfilm porträtiert vier Heilerinnen, die in der Pirts arbeiten. Das Pirts-Ritual wird mit der Rückkehr in den Mutterschoß und der anschließenden Wiedergeburt verglichen. Während des Rituals verwenden die Heilerinnen Blumen, Heilkräuter, Bündel mit Birkenzweigen, Körperpeelings aus Kräutern, Massagen, alte Gesänge … und Fliegenpilze (Amanita muscaria) … um ihre Patienten wieder mit ihrem Körper und ihrer Seele zu verbinden.
Denn das ist Heilung: zurückzukehren zu unserem wahren Selbst.

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In the Latvian Pirts (traditional Sauna), an old European healing tradition has survived to the present day. It is based on herbal medicine and is connected to nature and the wheel of the year.

BALTIC HEALING was filmed in June 2023 during the summer solstice celebrations. The documentary portrays four healers who work in the pirts. The pirts-ritual is compared to returning to your mother’s womb and then to be re-born. During the ritual the women healers use flowers, herbs, wisks from birch trees, herbal body scrubs, massage, ancient incantations… and fly agaric (Amanita muscaria)… to re-connect their patients with their bodies and souls. 

This is healing: coming back to our true selves. 

VORFÜHRUNGEN / SCREENINGS

26.6.2024 Cinema & Kurbelkiste, Münster, mit Filmgespräch

22.6.2024 Schalksmühle, Der Entfaltungsraum, mit Mittsommerfeier

18.6.2024 Bochum, Endstation.Kino, 20 Uhr, mit Einführung

08.4.2024 Bochum, Endstation.Kino, 20 Uhr, mit Einführung

23.3.2024 Dortmund, Gemeinschaftsraum/Generationenweg, mit Filmgespräch

19.3.2024 Bochum, Endstation.Kino, Premiere mit Filmgespräch

FILMZITATE / QUOTES

Kristīne Sīle: „Wir Letten sagen: wir sind das Volk der Sonne. Denn seit Anbeginn haben wir das Sonnenrad (Jahresrad) gefeiert.“

Dr. phil. Ieva Ančevska: „Die lettische Heilkunde ist Kräuterheilkunde, Naturheilkunde. Eine alte Kräuterfrau hat mir mal erzählt, was sehr wichtig für unser Leben ist: Die Freude und das innere Gleichgewicht mit sich selbst und der Natur.“

Dr. phil. Ieva Ančevska: „Für die Letten war die Pirts (traditionelle Sauna) schon immer einer der wichtigsten Orte.“

Krists Zeltiņs: „Der wichtigste Punkt in der traditionellen Sauna ist, es ist wie in einer Gebärmutter:
es ist dunkel, es ist feucht und es ist warm.“

Alistair Hegarty: „Ich weiß mit Sicherheit, dass ich mich in der Sauna sehr verbunden fühle. Durch den Dampf. Die Hitze und der Dampf haben etwas an sich, das mir ein Gefühl der Verbundenheit und des Friedens gibt.“

Kristīne Sīle: „Die Pirts ist ein Ort der Transformation.“

Ligita Rudzāte: „Die Pirts war traditionell ein Ort, an den die Menschen nicht nur gingen,
um ihren Körper zu reinigen. Es war auch ein Ort, an dem sie Initiationsrituale durchführten
und sich für die wichtigsten Feste des traditionellen Lebens vorbereiteten.“

Kristīne Sīle: „In der Pirts wurden wir geboren. In der Pirts fanden alle wichtigen Initiationsrituale statt… bis zum Tag unseres Todes.“

Ligita Rudzāte: „Während des letzten Pirts-Rituals wurde der Körper gewaschen.
Und darauf vorbereitet, zurück in den Schoß der Erdmutter gegeben zu werden.“

Ligita Rudzāte: „Heilerinnen, Hebammen, Pirts-Meister, Zauberinnen … waren Frauen.“

Ilga Gavare: „In Lettland waren Frauen im Allgemeinen mehr in all diese Heiltraditionen involviert.
Und konnten sie bis heutige schützen, pflegen und bewahren. Durch die Geschichten ihrer Großmütter, aus alten Schriften und Volksliedern.“

Ligita Rudzāte: „Ich bin mit dem Fliegenpilz (Amanita Muscaria) vertraut seit meiner Kindheit,
weil meine Großmutter Kräuter und andere Dinge sammelte. Und sie hatte sowohl Fliegenpilz- als auch Schlangen-Alkohol-Auszüge unter ihrem Bett.“

Ilga Gavare: „Amanita (Fliegenpilz) ist eine sehr einfühlsame Lehrerin. Sie lädt jeden, der mit ihr arbeiten möchte, in ihr Feld ein. Ganz langsam und allmählich ist es möglich, ihren Einfluss zu spüren.“

Dr. phil. Ieva Ančevska: „Und da sind viele verschiedene Traditionen, die uns verbinden,
mit der Ahnenkraft, mit der Kraft der Mutter Erde, mit uns selbst. Das ist Heilung.
Wieder zurück zu sich selbst.“

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Kristīne Sīle: „We Latvians say: we are the people of the Sun. We have celebrated the Sun Wheel (Wheel of the Year) since the beginning.“ 

Dr. phil. Ieva Ančevska: „Latvian medicine is herbal medicine, naturopathy. An old herbalist once told me what is very important for our lives: joy and inner balance with ourselves and with nature.“ 

Dr. phil. Ieva Ančevska: „For Latvians, the Pirts (traditional Sauna) has always been one of the most important places.“ 

Krists Zeltiņs: „The main point in the traditional sauna is, that it’s more like a mothers womb: it is dark, it is humid and it is warm.“ 

Alistair Hegarty: „I know for a fact, that when I am in the sauna, I do feel very connected. From the steam. There is something about the heat and the steam together that makes me definitely feel connected… and peaceful“ 

Kristīne Sīle: „The Pirts is a place of transformation.“ 

Ligita Rudzāte: „The Pirts traditionally was a place where people not only went to bathe their physical bodies. It was also a place where they performed initiation rituals and got ready for the main festivities of traditional life. “ 

Kristīne Sīle: „In the Pirts one was born. In the Pirts all the important initiations took place… until the day of one’s death.“ 

Ligita Rudzāte: „During one’s final Pirts ritual, the body was washed. And prepared to be given back to the womb of the Earth Mother.“ 

Ligita Rudzāte: „Healers, midwives, Pirts masters, spell chanters… were women.“ 

Ilga Gavare: „In Latvia I think women in general were more involved in all these healing traditions and have been able to protect, maintain, and preserve them up to the present day. Through the stories of their grandmothers, from old writings and folk songs.“ 

Ligita Rudzāte: „I’ve been familiar with the Fly Agaric (Amanita muscaria) since I was a child. Because my grandmother used to collect herbs and things… And she had both the Fly Agaric and Snake-alcohol extractions under her bed.“ 

Ilga Gavare: „Amanita muscaria (Fly Agaric) is a very empathetic teacher. She invites everybody who wants to work with her into her field. Very slowly and gradually it is possible to feel her influence.“ 

Dr. phil. Ieva Ančevska: „And there are many different traditions that connect us, with the ancestral power, with the power of Mother Earth, with ourselves. That is healing. Coming back to our true selves.“ 

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